Schnubbi in Rio

Meine Wenigkeit, der Berliner (und originale) Bavare Manuel Swidersky v/o Schnubbi, befindet sich von Ende Juni bis zum Beginn des Münchner Oktoberfestes Mitte/Ende September in der Brasilianischen Stadt Rio de Janeiro. Als Rechtsreferendar habe ich die Möglichkeit einen Teil meiner Ausbildung im Ausland zu verbringen. Daher habe ich mich relativ spontan und initiativ über den Kontakt eines Farbenbruders bei der Rechtsanwaltskanzlei Dannemann Siemsen Bigler & Ipanema Moreira im Bereich des geistigen Eigentumsrechts beworben und wurde trotz mangelnder Kenntnisse des Portugiesischen angenommen. Die Kanzlei betreut viele Deutsche Konzerne hinsichtlich deren Marken und Patente in Brasilien, weshalb sie eine eigene Abteilung für diese Deutschen Mandanten hat und immer deutschsprachige Hilfe gebrauchen kann.

Nun aber genug zu den Hintergründen und weiter zur Reise an sich. Natürlich kann ich nicht jedes Detail ausführen, jedoch folgen ein paar beispielhafte Geschichten, um einen Eindruck zu vermitteln:

Angekommen am Ziel, begann die Reise zuerst chaotisch; und es sollte sich herausstellen, dass Geduld und Nerven hier mehr ein Überlebenskriterium als lediglich eine Tugend sind. Meine Vermieterin hatte verplant, dass sie mir ein Zimmer vermietet hatte (wofür ich auch schon die erste Miete gezahlt hatte). Also musste ich vorerst für eine Woche in ein Hostel einziehen, wo ich in einem 12-Personen Schlafsaal mit meinen Koffern (über)leben musste. Naja ehrlich gesagt war das Hostel nicht so schlimm. Sauberkeit und Komfort suchte man zwar vergeblich, jedoch waren die Leute nett und ich konnte schon ein paar Dinge unternehmen – das heißt ich war jeden Tag feiern und kam in den Genuss von 0,7 Liter Caipirinhas für umgerechnet € 1,80 und Dosenbier für € 0,40 in diversen Bars. Dabei unterstützten mich auch Freunde eines Mexikanischen Freundes aus München, der mir deren Handynummer gegeben hat. Mit denen unternehme ich nun ständig etwas. Ich wurde in deren Freundeskreis sofort und bedingungslos aufgenommen. Die Menschen hier sind offen, jeder, der einem neu begegnet, interessiert sich für einen und freut sich sichtlich einen mitnehmen und Dinge zeigen zu können.

Am Tag vor meiner Abreise war dann ein Dieb im Hostel unterwegs und hat in unserem Saal einer US-Amerikanischen Mitbewohnerin das Bargeld gestohlen. Letztlich war ich dann auch froh, in mein eigenes Zimmer ziehen zu können. Doch wo war dieses Zimmer? Die Vermieterin hatte mich nicht auf dem Schirm, daher musste vorerst ein Zimmer in einem Ihrer Häuser gefunden werden. Sie hat zwei Häuser im Stadtteil Botafogo, die sie an junge Brasilianer und internationale Studenten vermietet. So kam es, dass ich in ein anderes Haus als ursprünglich geplant ziehen musste und nun in einem 6qm Zimmer wohne. Aber ich habe ein Bett, einen Schrank und einen kleinen Schreibtisch, also alles halb so wild. Außerdem sind die Mitbewohner nett. Die Umstände bezüglich Bad und Küche sind zwar nicht ganz so ansprechend wie auf dem Bavarenhaus, aber für drei Monate kein Problem!

Ich hatte mir an meinem ersten Tag eine Brasilianische Prepaidkarte gekauft – eine Meisterleistung wenn man einfach nicht wirklich mit den Verkäufern kommunizieren kann (Englischsprachige Verkäufer sucht man hier meist vergebens). Dies gilt insbesondere deshalb, weil man als Gringo im Zweifel einfach eiskalt ignoriert wird, weil die Angestellten Angst/keine Lust haben sich mit einem auseinanderzusetzen. Doch meine sporadischen Vorkenntnisse der einheimischen Sprache, die ich mir per Sprach-App in Deutschland angeeignet hatte, ließen mich letztlich nicht im Stich; ansonsten tun sie das leider sehr oft, da der Dialekt der “Cariocas”, also der Leute aus Rio, nochmal etwas anderes als “Hochportugiesisch” ist und vor allem der Slang zusätzlich für Unverständnis meinerseits sorgt. Nur leider stellte sich relativ bald heraus, dass meine Nummer bereits Jahre zuvor an eine Brasilianerin vergeben worden war und auch nach wie vor genutzt wurde. Als ich meine Nummer auf WhatsApp änderte, war ich plötzlich in einem fremden Account und konnte alle fremden Chats verfolgen (eigentlich konnte ich das nicht wirklich – war ja Portugiesisch). Binnen Minuten bekam ich einen zornigen Anruf und musste mein Whatsapp vorerst deinstallieren. Wie kann so etwas passieren? Frage ich mich auch. Wie stehen überhaupt die Chancen dass so etwas passiert? Kommt hier anscheinend garnicht mal so selten vor.

Ein paar Tage später schaffte ich es meine Nummer zu ändern, nur leider wurde vergessen mir mein Prepaid-Guthaben mit auf die neue Nummer zu übertragen, sodass ich erstmal wieder kein funktionsfähiges Netz hatte. Beim dritten Besuch hat aber endlich alles geklappt. Also keine Sorge, liebe Facebookfreunde, Follower und Chatkontakte, ich bin wieder in den sozialen Netzwerken vertreten!

Das war es mit der guten alten Deutschen Motzerei, lasst mich zu den angenehmen Erfahrungen kommen, welche auch weit überwiegen:

Zuerst zum Wetter: Es ist tiefster Winter hier. Das heißt es hat meistens sonnige 25 Grad Celsius und es regnet kaum. Ironischer Weise regnet es soeben seit Stunden in Strömen, aber das ist das erste Mal, dass das passiert, seitdem ich hier bin. Es ist zwar nicht super tropisch heiß, das ist aber für einen Gringo wie mich eh viel angenehmer. Im Sommer ist es sogar den Cariocas zu heiß!

Da ich genau zur Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien ankam, durfte ich auch mitbekommen, wie verrückt dieses Land nach Fußball ist (so wie ich selbst): Eine Grundregel ist, dass an den Tagen, an denen Brasilien spielt, kaum einer arbeitet. Wenn Brasilien gewinnt, wird bedingungslos auf den Straßen in ganz Brasilien zusammen gefeiert. Wenn nicht, dann auch. Nach dem frühen Aus für die Deutsche Mannschaft durfte ich mir zwar ein paar Sprüche anhören, aber wo wäre es anders? Ansonsten ist man selbst als Deutscher in Fußballkneipen willkommen und wird herzlich aufgenommen (ich erinnere an das 7-1 im Halbfinale 2014). Nach dem frühen Aus für das DFB-Team kaufte ich mir als Souvenir und Schleimwerkzeug ein Brasilientrikot. Kam gut an, doch leider stellte ich mich als “Pé Frio” (“Kalter Fuß”) heraus, das bedeutet ich war ein Unglücksbringer für die Brasilianer. Plötzlich hörten auch die Sprüche auf.

In der folgenden Zeit habe ich mich in der Arbeit eingelebt, was interessant und bislang auch entspannt ist. Außerdem gibt es eine eigene Mensa mit unbeschreiblich gutem Brasilianischen Essen umsonst. Die Cuisine ist sehr abwechslungsreich und immer mit frischem exotischen Gemüse und Obst. Zudem ist aber auch immer exzellentes Fleisch auf der Karte mit schweren Beilagen. Churrascos (BBQ) sind hier immer hoch im Kurs. Vieles ist mit Käse überbacken oder gefüllt. Es gibt eine eigene Essenssparte aus frittiertem Fingerfood mit verschiedensten Zutaten von Meeresfrüchten bis Trockenfleisch. Die Nachspeisen sind unfassbar reichhaltig und süß. Kurzum: In kulinarischer Hinsicht lässt sich hier so einiges entdecken und gleichzeitig kann man am Bauchumfang arbeiten!

Zudem wollte ich nun die Stadt kennenlernen und war in einigen Ecken. Es bleibt mir nichts anderes zu sagen, als dass diese Stadt wunderschön und aufregend ist. Zwischen zauberhaften Stränden, der Cristostatue, Dschungel, dem Zuckerhut, Partyviertel, Favelas, architektonischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten, Aussichtspunkten, Bergen, Wasserfällen, etc. innerhalb der Stadt kann man einfach so viel erleben, dass ich realisiert habe, dass allein für Rio mein dreimonatiger Aufenthalt nicht ausreichen wird.

Trotzdem genieße ich die überragende Freundlichkeit und Freude der Leute, sowie die mitreißende Lebenseinstellung der Mitmenschen in vollen Zügen.

Schon jetzt freue ich mich auf den Besuch meines Bundesbruders und Leibvaters Emanuel Sorba v/o Moscht et Radler. Wir haben vor auch andere Gegenden dieses großen Landes zu erkunden. Da er die Gönnung mindestens so liebt wie ich, weiß ich, dass es ihm hier narrisch taugen wird! Und jedem anderen kann ich nur einen Besuch dieses vielfältigen und freundschaftlichen Landes ans Herz legen.

Viele Grüße von der Südhalbkugel,

Schnubbi

 


Reisen ist ein sehr beliebtes Thema bei Bavaria. So hat es unseren Bundesbruder Manuel Swidersky v/o Schnubbi ins Ausland nach Rio de Janeiro verschlagen.


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